Entgelttransparenz ab Juni 2026: Diese 5 Fehler sollten Unternehmen jetzt vermeiden

Entgelttransparenz

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Susann Schneider
Susann ist seit vielen Jahren im IT-Marketing unterwegs und hat sich auf HR, People und Learning Solutions spezialisiert. Sie teilt ihre Insights zu aktuellen HR-Trends und Herausforderungen, vor allem im Zusammenhang mit der HR-Digitalisierung, um Personalabteilungen durch smarte Lösungen den Rücken freizuhalten, Themen wie Work-Life-Balance, Fachkräftemangel oder New Generation zu meistern und sich von administrativer Arbeit zu befreien.

Die Frist für die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht endet am 7. Juni 2026. Dann tritt sie in Kraft und verpflichtet Unternehmen zu mehr Transparenz bei der Entlohnung, um den Gender Pay Gap, also die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen bei gleicher Arbeit, zu schließen. Auch wenn das deutsche Gesetzgebungsverfahren bis zum Stichtag nicht abgeschlossen sein wird und damit eine gesetzliche Umsetzung in Deutschland nicht vorliegt, wird Entgelttransparenz für Unternehmen dennoch Realität. Verschiedene rechtliche Mechanismen treten in Kraft, um die Einhaltung der EU-Vorgaben sicherzustellen. So sind die deutschen Gerichte dann verpflichtet, bestehende Gesetze – wie das aktuelle Entgelttransparenzgesetz oder das Antidiskriminierungsgesetz – so auszulegen, dass sie der EU-Richtlinie entsprechen.

Viele HR-Abteilungen und Geschäftsleitungen haben das Thema bereits auf dem Schirm – doch in der Praxis zeigt sich: Zwischen „wissen, was kommt“ und „wirklich vorbereitet sein“ liegt oft noch eine deutliche Lücke.

Denn die neuen Anforderungen betreffen nicht nur einzelne HR-Prozesse, sondern greifen tief in Gehaltsstrukturen, Recruiting und interne Kommunikation ein. Wer hier erst kurz vor Inkrafttreten reagiert, riskiert unnötigen Zeitdruck, Unsicherheiten und operative Probleme. 

Ein grundsätzlicher Fehler ist also, die Umsetzung der Anforderungen aus der EU-Richtlinie im Unternehmen weiter auf die lange Bank zu schieben.

Unser Rat: Nutzen Sie spätestens jetzt noch die Zeit für eine Bestandsaufnahme und Anpassung Ihrer Gehaltsstrukturen im Unternehmen.

Wie lässt sich Entgelttransparenz konkret im Unternehmen umsetzen?

Die regulatorische Richtung ist klar: Unternehmen müssen künftig nachvollziehbar darlegen können, wie Gehälter zustande kommen – und warum Unterschiede bestehen.

Das bedeutet konkret:

  • mehr Transparenz im Recruiting
  • stärkere Auskunftsrechte für Beschäftigte
  • höhere Anforderungen an Dokumentation und Nachweisbarkeit

 

Auch wenn noch nicht jedes Detail der nationalen Umsetzung final geregelt ist, gilt:
Die entscheidenden Grundlagen – Gehaltslogik, Datenbasis und Prozesse – lassen sich bereits heute aufbauen.

Entgelttransparenz bedeutet dabei nicht, alle Gehälter offenzulegen. Entscheidend ist, dass Vergütungsentscheidungen auf klaren, nachvollziehbaren Kriterien beruhen und konsistent erklärt werden können.

Entgelttransparenzrichtlinie umsetzen: Die 5 häufigsten Fehler

1. „Das betrifft uns nicht – wir sind zu klein“

Ein häufiger Irrtum, gerade im Mittelstand: Die neuen Anforderungen werden oft mit großen Unternehmen verbunden.

Tatsächlich gelten bestimmte Berichtspflichten erst ab definierten Unternehmensgrößen. Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten werden voraussichtlich von formalen Berichtspflichten ausgenommen sein, und auch für kleinere Unternehmen können Erleichterungen bei einzelnen Informationspflichten gelten.

Die Anforderungen im Recruiting und die Auskunftsrechte von Beschäftigten betreffen jedoch deutlich mehr Unternehmen – unabhängig von der Größe.

Auch die Erwartungen von Bewerbern und Mitarbeitern verändern sich: Transparenz wird zunehmend vorausgesetzt – nicht nur gesetzlich, sondern auch kulturell.

2. Zu spät mit der Vorbereitung beginnen

Entgelttransparenz ist kein kurzfristiges Projekt. Es geht nicht nur um Anpassungen in Stellenanzeigen, sondern um die Grundlage der Vergütungsstruktur.

Typische Herausforderungen:

  • uneinheitliche Gehaltsdaten
  • fehlende Dokumentation
  • Abstimmungsprobleme zwischen HR, Payroll und Führungskräften

 

Wer zu spät startet, arbeitet oft unter Zeitdruck – und schafft damit neue Unsicherheiten.

3. Gehaltsstrukturen existieren – aber keine klare Gehaltslogik

In vielen Unternehmen sind Gehälter historisch gewachsen: individuell verhandelt, situativ angepasst, selten systematisch dokumentiert.

Künftig wird entscheidend sein: Nicht welches Gehalt gezahlt wird, sondern ob es erklärbar ist.

Unterschiede bleiben möglich – und sinnvoll. Voraussetzung ist jedoch, dass sie auf klar definierten Kriterien basieren, wie:

  • Berufserfahrung
  • Qualifikation
  • Betriebszugehörigkeit
  • Verantwortung
  • Leistung

 

Oder durchaus auch die belegbare Arbeitsmarktlage. Eine fehlende oder inkonsistente Gehaltslogik erhöht das Risiko von Unklarheiten und Konflikten.

4. Entgelttransparenz im Recruiting nicht mitdenken

Ein zentraler Punkt wird häufig unterschätzt: Recruiting und interne Vergütungsstruktur müssen zusammenpassen.

Unternehmen müssen künftig frühzeitig Gehaltsinformationen bereitstellen. Dafür braucht es:

  • definierte Gehaltsspannen
  • klar bewertete Rollenprofile
  • einheitliche Einstufungskriterien

 

Ohne diese Grundlage entstehen schnell Widersprüche zwischen externem Auftritt und interner Praxis.

5. Kommunikation und Führungskräfte nicht vorbereiten

Mit Entgelttransparenz steigen auch die Anforderungen an die Kommunikation.

Typische Fragen aus der Belegschaft:

  • Wie wird mein Gehalt bestimmt?
  • Wie werde ich im Vergleich zu anderen eingeordnet?
  • Welche Entwicklungsmöglichkeiten habe ich?

 

Ohne klare Leitlinien und abgestimmte Kommunikation entstehen Unsicherheiten – selbst bei guten Strukturen.

Entgelttransparenz im Unternehmen umsetzen: 5 konkrete Maßnahmen für HR

Ein strukturierter Ansatz hilft, die Umsetzung pragmatisch anzugehen:

Entscheidend ist dabei nicht Perfektion, sondern eine klar dokumentierte und konsistent angewendete Gehaltslogik im Unternehmen.

Entgelttransparenz: Mehr als Compliance – ein strategischer Vorteil

Auch wenn der regulatorische Druck steigt: Entgelttransparenz ist mehr als eine Pflicht.

Unternehmen, die ihre Gehaltsstrukturen nachvollziehbar gestalten:

  • stärken Vertrauen in der Belegschaft
  • verbessern ihre Position im Recruiting
  • schaffen mehr Klarheit in HR-Prozessen

In der Praxis zeigt sich jedoch: Die Umsetzung scheitert häufig nicht an der Strategie, sondern an fehlender Datenbasis und uneinheitlichen Systemen.

Gerade hier können digitale HR- und Recruiting-Lösungen unterstützen – etwa dabei, Gehaltsstrukturen abzubilden, Daten konsistent zu pflegen und Informationen im Recruiting einheitlich bereitzustellen.

Fazit: Entgelttransparenz im Unternehmen vorbereiten

Die Einführung der Entgelttransparenz ist absehbar – die Frist ist zu Anfang Juni definiert und wird bereits Beachtung finden. Zudem ist mit einem Referentengesetzentwurf bis spätestens in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen.

Unternehmen, die ihre Gehaltsstrukturen, Prozesse und Daten spätestens jetzt überprüfen, gewinnen nicht nur Sicherheit, sondern auch einen klaren Vorsprung.

Denn am Ende entscheidet nicht nur die gesetzliche Umsetzung – sondern die Frage, wie überzeugend Transparenz im Unternehmen gelebt wird.

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FAQ: Entgelttransparenzrichtlinie im Unternehmen umsetzen

Was müssen Unternehmen jetzt konkret für Entgelttransparenz vorbereiten?

Unternehmen sollten vor allem ihre Gehaltsstrukturen analysieren, klare Vergütungskriterien definieren, Gehaltsspannen für Rollen festlegen und Prozesse für Auskunftsanfragen aufbauen. Eine saubere Datenbasis und abgestimmte Kommunikation sind entscheidend.

Ja. Auch wenn bestimmte Berichtspflichten erst ab größeren Unternehmensgrößen gelten, betreffen Recruiting-Anforderungen und Auskunftsrechte viele Unternehmen – unabhängig von der Größe.

Unternehmen müssen Bewerbern frühzeitig Gehaltsinformationen bereitstellen. Dafür sind klare Gehaltsspannen, Rollenprofile und einheitliche Kriterien notwendig. Recruiting wird damit direkt von der internen Vergütungsstruktur abhängig.

Wichtig sind strukturierte Gehaltsdaten, dokumentierte Vergütungskriterien, vergleichbare Rollenprofile sowie sauber gepflegte HR- und Payroll-Daten. Diese bilden die Grundlage für Auswertungen, Berichte und Auskunftsanfragen.

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